Ich bin jetzt 8 Wochen alt ...

"Ich bin jetzt acht Wochen alt. Ich weiß noch nicht viel über das Leben. Aber ein bisschen was kann ich euch schon erzählen.

 

Die Geburt war schwierig, fast wären wir alle inklusive unserer Mama gestorben. Die zweibeinigen Wesen waren ganz aufgeregt, aber sie haben die Mama nicht zum Tierarzt gebracht. Das kostet zuviel Geld, haben sie gesagt.

 

Mama hatte ganz dolle Schmerzen und war so erschöpft, dass wir beim Nuckeln an den Zitzen lieber ganz behutsam waren. Wir wollten der Mama ja nicht noch weh tun. Zwei Geschwisterchen haben es nicht geschafft, die sahen auch ganz komisch aus. Anders als wir anderen. Sie lagen eine ganze Weile bewegungslos hinter Mama, dann kamen die Riesen und haben sie weggeholt.

 

In der ersten Zeit haben wir ganz viel geschlafen und getrunken. Mama war noch sehr schwach und mochte gar nicht das komische trockene Futter essen, was die Zweibeiner ihr in den Mund stecken wollten. Das roch auch ganz komisch, das hätte ich auch nicht essen wollen. Aber wir haben eine gute Mama, sie hat trotzdem ein bisschen gegessen, damit sie sich um uns kümmern konnte.

 

Nach ein paar Tagen wollten wir unsere Augen aufmachen. Aber irgendwie ging das gar nicht richtig. Das fühlte sich so verklebt an und wir konnten gar nicht richtig gucken, obwohl wir so neugierig auf die Welt waren. Und es juckte und zwickte uns ständig. Ein Brüderchen hat sich ganz wund gekratzt, so doll hat es ihn gejuckt. Zwischendurch kamen die Riesen und knibbelten und wischten an unseren Augen rum - das tat weh und wir weinten leise dabei. Mama hob meist nur müde den Kopf. Auch am Popo war es nicht angenehmer - wir hatten alle Durchfall und waren deswegen da immer wieder ganz verklebt und wund.

 

Bis jetzt mochte ich diese Welt nicht. Ich wollte so gerne rumlaufen und alles angucken. Doch irgendwie ging es mir nicht gut. Ich hatte manchmal gar keine Lust aufzustehen und zu trinken. Dann blieb ich einfach an meine Geschwister gekuschelt. Das war so schön warm und ich fühlte mich geborgen. Erst wenn der Hunger dann ganz groß war, raffte ich mich schließlich auf.

 

Einige Tage später kamen fremde Riesen, die uns anschauten. Wir mochten es gar nicht, wenn diese fremden Hände nach uns griffen. Aber egal wie lauthals wir schimpften und weinten, es interessierte die Zweibeinigen nicht. Wir hörten wie unsere Riesen sagten, dass die Fremden uns sofort "haben" konnten. Das habe ich da aber noch nicht verstanden. Wir waren ja auch erst sechs Wochen alt. Da muss man sowas noch nicht verstehen.

 

An einem Tag kamen dann plötzlich diese fremden Riesen wieder. Ein Geschwisterchen nach dem anderen wurde weggenommen und war ab da fort. Dann war ich dran und diese großen fremden Hände griffen nach mir.

 

Ich kam in eine Box, die ganz komisch roch. Ich hatte wirklich Angst. Plötzlich waren alle weg: meine Geschwister, meine Mama und ich war mit diesen Fremden ganz alleine. Die waren wohl ganz nett, aber ich wollte doch nur zu meiner Mama und meinen Geschwistern. Obwohl ich so laut schrie wie ich konnte, kehrten sie nicht um. Ich war verzweifelt. Die netten Zweibeiner redeten lieb mit mir, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen.

 

Ich hatte solche Angst und vermisste meine Familie. Wo waren denn alle nur und was hatte ich getan, dass ich in dieser neuen Wohnung ganz alleine sein musste mit Zweibeinern, die ich nicht verstand und die nicht meine Sprache sprachen? Ich wollte kein Essen, wirklich Spielen mochte ich auch nicht. Ich wollte einfach nur zu Mama und meinen Brüderchen und Schwesterchen. Aber ich blieb alleine.

 

Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass ich sie wiedersehe. Ich bin hier immer noch alleine. Ich wünsche mir so sehr einen Kumpel, mit dem ich spielen und kuscheln kann. Auch wenn die Menschen hier viel netter sind und sich gut um mich kümmern, fühle ich mich sehr einsam. Obwohl ich inzwischen zumindest äußerlich ganz gesund bin, so habe ich mir das Leben wirklich nicht vorgestellt. Das macht keinen Spaß.

 

Ich weiß, dass ich meine Mama niemals wiedersehen werde. Sie muss wieder Babies bekommen und irgendwann wird sie dann gar keine Kraft mehr haben. Und ich kann nichts tun. Solange es Menschen gibt, die immer wieder Babies wie uns von rücksichtslosen Vermehrern kaufen, wird das nie aufhören. Mamas werden Schmerzen haben und letztendlich wie viele ihrer Babies sterben. Babies, über die niemand mehr ein Wort verliert...

 

Nein, ich mag diese Welt wirklich nicht."

 

(Quelle: Facebook Unser kleines Katzenparadies)

 

Bitte unterstützt keine Vermehrer! Es gibt so viele Kitten bei Tierschutzvereinen, die ein neues Zuhause suchen. 

 

Wir vom Verein Strassentiger Nord e.V. vermitteln Kitten niemals in Einzelhaltung, sondern immer nur zu zweit oder zu anderen jungen Katzen dazu und erst mit 12 Wochen ! Und natürlich sind alle tierärztlich untersucht und  behandelt falls notwendig sowie entwurmt, entfloht, gechipt, etc.